Berufsallergie – Symptome, Ursachen und Maßnahmen

Sie haben eine neue berufliche Herausforderung angenommen und wollen sich ĂŒber etwaige Risiken am neuen Arbeitsplatz informieren? Sie haben Allergiesymptome wĂ€hrend Ihrer Arbeitszeit? Könnte es eine Berufsallergie sein?

Was ist eine Berufsallergie?

Es liegt eine berufsbedingte Allergie vor, der Leserlichkeit wegen nachfolgend „Berufsallergie“ genannt, wenn der Allergie-Geplagte dem Allergen, also die Allergie auslösendes Protein, im Rahmen seiner beruflichen TĂ€tigkeit wiederholt und unvermeidbar ausgesetzt ist. Am Arbeitsplatz werden dann diese Allergene durch Hautkontakt oder durch das Einatmen aufgenommen und fĂŒhren zu einer direkten allergischen Reaktion, Allergietyp-I, oder zu einer zeitlich Verzögerten, Allergietyp-III oder IV.

Die Symptome sind dabei u.a. HautausschlĂ€ge oder andere Hautreaktionen, Jucken, Atemnot, Kopfschmerzen, Mattheit, Niesen bis hin zu Schwindel, Kreislaufbeschwerden und erhöhtem Puls. Auch Durchfall, Übelkeit oder Schwellungen sind Symptome der Berufsallergie, die ernst genommen werden sollten. Es ist durchaus nicht einfach, den Bezug zu einer Allergie in Verbindung mit dem Arbeitsplatz eindeutig zu erkennen.

Wie erkenne ich eine Berufsallergie bei mir?

Ist das Fenster im BĂŒro zur Pollenzeit geöffnet und der Allergie-Geplagte bekommt eine laufende Nase und juckende Augen, könnte auch Heuschnupfen der Grund sein.

Woran erkennt nun der Betroffene, dass es eine Berufsallergie ist?

Der effektivste Weg zur Klarheit schafft hier die Selbstbeobachtung:

  • Tauchen die Beschwerden ausschließlich oder ĂŒberwiegend am Arbeitsplatz auf
  • Tauchen sie wetterbedingt oder saisonal, also nicht ganzjĂ€hrig, auf?
  • Wo habe ich konkret die ersten Probleme: In den Augen, Nase, Atemwege oder auf der Haut?
  • Mit was hatte ich in den letzten Sekunden bis hin in den letzten Stunden Kontakt zu einer betroffenen Hautstelle?
  • Welchen Stoffen in der Luft war ich soeben ausgesetzt?

Und welche Stoffe könnten es noch sein, von denen ich nichts weiß?

  • Versteckter Schimmel hinter dem Aktenschrank,
  • das Reinigungsmittel der Reinigungsfachkraft fĂŒr den BĂŒrotisch und fĂŒr das Telefon,
  • Sporen durch das Abschmirgeln,
  • Lacke beim Streichen


Die Liste der möglichen Verursacher ist lang. Die hÀufigsten Ursachen bei einer Berufsallergie sind Staub (z.B. bei der Herstellung, Veredelung, Verpackung und Lagerung sowie Mehl- und Futtermittelstaub), Lacke und Farben, Lösungsmittel, Harze, Konservierungsstoffe, Duftstoffe, Desinfektionsmittel und Vulkanisationsbeschleuniger.

Eine Vielzahl an Berufen kann somit von einer Berufsallergie betroffen sein, die bekanntesten Beispiele sind der BĂ€cker (Mehlstaub), der Frisör (Chemikalien in den HaarfĂ€rbemitteln) oder die Krankenschwester (Desinfektionsmittel). Der Berufsallergie-Geplagte sollte ein Tagebuch fĂŒhren, um ĂŒber kurz oder lang den gemeinsamen Nenner, sprich das Allergen, bei all seinen Allergievorkommnissen zu erkennen. Zur Festigung der eigenen Ergebnisse, oder auch parallel dazu, ist ein weiterer effektiver Weg zur Diagnose ein Allergietest.

Ich habe eine Berufsallergie, was unternehme ich nun?

Das bei einer Berufsallergie gehandelt wird, ist besonders wichtig, da der Berufsallergie-Geplagte regelmĂ€ĂŸig und das ganze Jahr ĂŒber Kontakt zu dem Allergen hat. Die Gefahr, dass langfristige SchĂ€den in Form von Asthma oder Neurodermitis entstehen können, ist vorhanden. Die erste Handlung besteht in der Vermeidung des Allergens, sofern möglich. Der Betroffene sollte sich an seinen Betriebsarzt wenden. Dieser wird dann mit dem Arbeitgeber und der Fachkraft fĂŒr Arbeitssicherheit sowie dem Arbeitssicherheitsbeauftragten Gegenmaßnahmen mitentscheiden und umsetzen lassen. Dies können einfachste ProzessĂ€nderungen, auch mit Hilfe des QualitĂ€tsmanagements, bis hin zum Kauf einer Absauganlage sein.

Der Allergiker sollte ferner in den Dialog gehen und seine Kollegen und/oder Vorgesetzten informieren, warum er ggf. die eine oder andere TĂ€tigkeit nicht mehr ausĂŒben kann. Er sollte (persönliche) SchutzausrĂŒstung in Form von Handschuhen, Atemmasken und Schutzbrillen (auch wenn dies die Arbeitssicherheit nicht vorsieht) tragen. Ferner sollte er SchutzanzĂŒge tragen oder zumindest Beine und Arme bedecken.

Hinweis an dieser Stelle: Wie bei einer Pollenallergie sollte „kontaminierte“ Kleidung weder im Schlafzimmer ausgezogen noch gar dort liegengelassen werden. Waschen der Haare, der Haut und des Gesichts vor dem Schlafengehen hilft ebenfalls sehr. Neben der eigenen PrĂ€vention ist eine medizinische Therapie die zweite Art, die Beschwerden zu lindern. Speziell fĂŒr den Allergietyp-I ist die Desensibilisierung geeignet.

Nicht nur der Berufsallergie-Geplagte sollte tĂ€tig werden, sein Arbeitgeber muss sogar bei Kenntnis aktiv werden. Eine generelle Arbeitgeberpflicht ist die FĂŒrsorgepflicht gegenĂŒber seinen Mitarbeitern. Weitere Grundlage ist das Arbeitsschutzgesetzt (ArbSchG). In Paragraph 1 heißt es zu der Zielsetzung dieses Gesetzes: „Dieses Gesetz dient dazu, Sicherheit und Gesundheitsschutz der BeschĂ€ftigten bei der Arbeit durch Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu sichern und zu verbessern. Es gilt in allen TĂ€tigkeitsbereichen
“. Neben der regelmĂ€ĂŸig, oder bei Bedarf, stattfinden ASA (Ausschuss fĂŒr Arbeitssicherheit) ist ferner die die entsprechende Berufsgenossenschaft mit im Boot. SpĂ€testens dann, wenn die Berufsallergie zu einer Berufskrankheit gemĂ€ĂŸ Punkt 4 (genauer: 4301 bei Atemwegserkrankungen) der Anlage 1 der BKV (Berufskrankheiten-Verordnung) geworden ist, die eine berufliche Umschulung und Entgeltzahlungen mit sich ziehen.

Etwas ĂŒber 25 % aller Berufskrankheiten entstehen durch Berufsallergien. Der betroffene Allergiker ist keine Ausnahme und sein Vorgesetzter sowie sein Arbeitgeber haben seine Beschwerden ernst zu nehmen!

Zwischenfazit

Haben Sie wiederholt Symptome einer Allergie bei der Arbeit, sollten Sie dem unbedingt nachgehen, um LangzeitschĂ€den und –folgen durch eine Berufsallergie zu vermeiden. Beobachten Sie sich selbst vorher und finden Sie heraus, um welches Allergen es sich handelt. Ihr Arbeitgeber wird Sie dabei im Rahmen der Arbeitssicherheit (Ziel) und des Arbeitsschutzes (Maßnahmen zum Erreichen des Ziels) unterstĂŒtzen.

Neben der eigenen PrĂ€vention (Tragen von Schutzkleidung, damit die Allergene nicht in Augen, Nase, Mund oder auf die Haut gelangen können) und den Maßnahmen durch den Arbeitgeber kann eine medizinische Therapie die Symptome der Berufsallergie verringern und somit die Beschwerden lindern.